Rennofen · Living History

Der Weg des Eisens.

Wie aus rohem Stein Eisen wird — die alte Kunst der Verhüttung im Rennofen, bei uns von Hand betrieben. Vom Erz über die glühende Ofenreise bis zum fertigen Barren, der an den Amboss wandert.

Gichtflamme über dem Rennofen bei Nacht während der Verhüttung
Die Gichtflamme · Verhüttung im Rennofen bei Nacht

Von Stein zu Eisen

Eisen, wie vor zweitausend Jahren.

Lange vor den Fabriken gewannen die Menschen der Eisenzeit ihr Metall im Rennofen — einem Schacht aus Lehm, in dem Erz und Holzkohle in tagelanger Arbeit zu einem Klumpen zähen Eisens wurden. Wir bauen diese Öfen selbst und gehen den ganzen Weg.

Der Ablauf

Der Weg — Schritt für Schritt.

Rösten des Erzes über dem Feuer

Schritt 1

Das Erz

Eisenhaltiges Gestein wird gesammelt, gewaschen und über dem Feuer geröstet, bis es mürbe genug ist, um zerkleinert zu werden.

Der fertige Rennofen aus Lehm

Schritt 2

Der Ofen

Aus Lehm, Stroh und Rebengeflecht entsteht ein gut mannshoher Schacht. Jeder Ofen wird von Hand gebaut — und übersteht meist nur eine Ofenreise.

Nachsetzen von Erz und Holzkohle an der Gicht

Schritt 3

Die Ofenreise

Erz und Holzkohle wandern im Wechsel in den Ofen, Stunde um Stunde. Im Inneren wird aus dem Stein Eisen — ohne dass es je fließt. Oben schlägt die Gichtflamme.

Die geborgene Luppe, ein poröser Eisenschwamm

Schritt 4

Die Luppe

Am Ende wird der Ofen geöffnet und die Luppe geborgen — ein poröser Eisenschwamm. Nur etwa ein Viertel des Erzes wird zu brauchbarem Eisen.

Der fertig ausgeschmiedete Doppelspitzbarren

Schritt 5

Der Barren

Die Luppe wird immer wieder erhitzt, ausgeschmiedet und gefaltet, bis dichtes Eisen entsteht — der Doppelspitzbarren, Rohstoff für Klinge und Werkzeug.

Was in einem Barren steckt

27 kgeingesetztes Erz
≈ 140 kgverbrannte Holzkohle
4 TageArbeit an Ofen und Feuer
1,4 kgfertiges Eisen

Aus einem ganzen Ofen voll Stein und Feuer wird am Ende gut ein Kilogramm Eisen. Das erklärt, warum Eisen einst so kostbar war — und warum handgeschmiedetes Eisen etwas Besonderes bleibt.

Auf einen Blick

Aufbau und Ablauf.

Schema: Der Rennofen im Querschnitt und der Weg des Eisens von Erz zu Barren
Der Rennofen im Querschnitt und der Weg des Eisens — schematisch.
Doppelspitzbarren aus eigener Verhüttung

Ein Stück Geschichte

Der Doppelspitzbarren.

Die an beiden Enden zulaufende Form ist kein Zufall: In der Eisenzeit war der Doppelspitzbarren eine weithin bekannte Handelsform für Eisen — gut zu transportieren, zu prüfen und weiterzuverarbeiten. Eine Art frühes Wertmaß für den kostbaren Rohstoff.

Genau in dieser Tradition arbeiten wir — vom selbst verhütteten Eisen bis zur fertigen Klinge.

Die Kunst dahinter

Am schönsten am lodernden Ofen.

Ob eine Ofenreise gelingt, entscheidet sich an vielen kleinen Details, die man nur durch jahrelange Erfahrung beherrscht.

Erleben lässt sich das am besten nicht in Worten — sondern live bei einer Vorführung, am glühenden Ofen.

Arbeit am glühenden Rennofen

Häufige Fragen

Rund um den Rennofen.

Was ist ein Rennofen?

Ein aus Lehm gebauter Schachtofen, in dem schon in der Eisenzeit aus Erz und Holzkohle Eisen gewonnen wurde. Das Eisen entsteht dabei im festen Zustand — der Ofen erreicht nie die Schmelztemperatur von Eisen.

Wie viel Eisen ergibt eine Ofenreise?

Je nach Erz und Verlauf etwa ein Viertel des eingesetzten Erzes. In unserem Beispiel wurden aus 27 kg Erz rund 1,4 kg Eisen — erarbeitet mit etwa 140 kg Holzkohle und mehreren Tagen Arbeit.

Was ist ein Doppelspitzbarren?

Ein an beiden Enden zulaufender Eisenbarren — in der Eisenzeit eine verbreitete, weitgehend genormte Handelsform für Eisen und Rohstoff für die weitere Verarbeitung zu Klingen und Werkzeug.

Kann man das live sehen?

Ja. Wir zeigen das Schmieden und die alte Eisengewinnung live bei einer Vorführung. Sprich uns an — oder frag gleich nach einer eigenen Anfertigung.